google-site-verification=kXRXkwu71oVESkmyJrYxMFEDp4yE9WDr1GqkmdrD3ok

Zielsetzung und Geschichte

Aktuelle Zielsetzung

Das St. Gerhards-Werk e.V. ist ein Verein, der sich zum Ziel setzt, das religiöse und kulturelle Erbe der Deutschen aus oder in den südosteuropäischen Ländern zu pflegen und weiterzugeben. Er will das Interesse an der Religiosität, Geschichte und Kultur dieser Regionen wecken und in das Bewusstsein der Menschen in Deutschland rücken. Er will den Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und Aussiedlern helfen, ihr Schicksal positiv aus dem christlichen Glauben heraus zu bewältigen. Er will praktische Friedensarbeit leisten im Dienste der Versöhnung – vor allem mit den Völkern Südosteuropas. Dazu gehören insbesondere:

– Durchführung von Veranstaltungen, die dazu dienen ein Geschichtsbild der Heimatregionen der Vertriebenen im europäischen Kontext aktuell zu erarbeiten und zu vermitteln, das den Weg zu einem friedfertigen Europa der Völker, Nationen, Ethnien, Sprachen, Regionen und Religionen ebnet,

– die religiöse und kulturelle Tradition der Deutschen in Südosteuropa zu dokumentieren und im Sinne der Bereicherung der Kultur und der Sozialstruktur der Aufnahmegesellschaft weiter zu entwickeln und zu pflegen,

– internationale Begegnungsforen zu schaffen, auf denen Generationen übergreifend Fachtagungen, Seminare, Schulungen, Zusammenkünfte, Kurse organisiert und durchgeführt werden können, die in freundschaftlicher Atmosphäre Gedankenaustausch ermöglichen und Gemeinschaftsgeist erzeugen und vertiefen,

– die Erfahrungen der Vertriebenen in Vertreibung, Ankommen und Integration zu reflektieren, dokumentieren, weiter zu geben an kommende Generationen.

– Förderung von entsprechenden Publikationen in Broschüren, Zeitschriften, als Buch oder auch im Internet.

Wie die religiös-kirchliche Landschaft, in der die katholischen Donauschwaben lebten, differenziert war, so war nach 1945 das Schicksal der deutschen Volksgruppen in den drei Herkunftsländern Ungarn, Jugoslawien und Rumänien, aus denen sie nach Deutschland kamen, noch einmal ganz verschieden. Aus Ungarn wurde nur die größere Hälfte der Deutschen im Sinne der Potsdamer Beschlüsse umgesiedelt, während der kleinere in Ungarn verbliebene Teil nach 1945 unterdrückt wurde. Aus Jugoslawien dürfte nur die geringere Hälfte noch vor Kriegsende evakuiert worden sein, während der daheim verbliebene größere Teil durch die Partisanen ungeheure Verluste (mehr als ein Drittel der Deutschen kam ums Leben) erlitt und nur zu einem Bruchteil noch einmal das rettende Ufer Deutschland erreichte. Aus Rumänien hatten nur verhältnismäßig wenige Landsleute evakuiert werden können. Erst in den Jahren zwischen 1977 und 2000 wurde ihnen die Chance gewährt, in die Bundesrepublik auszusiedeln (ab 1977 jedes Jahr über 10.000 Aussiedler, bis 2005 der Zustrom versiegte).

Leitungsgremien und die Aktionsfelder der Eingliederung nach 1945

Die zwei Hauptzentren der Betreuung der Donauschwaben in der Bundesrepublik nach 1945 waren Stuttgart und München. In Stuttgart fand die Betreuung ihren Kristallisationspunkt in der Caritas-Flüchtlingshilfe (ungarndeutsche Abteilung), deren Organisation und Leitung schon seit 1946 der Ungarndeutsche Dr. Ludwig Leber, der spätere langjährige CDU-Landtagsabgeordnete, innehatte. Den Landsleuten, die damals immer Rat, Trost und Hilfe suchten, konnte mindestens Trost zugesprochen, meistens darüber hinaus auch Rat erteilt und caritative Hilfe gewährt werden.

Im Herbst 1948 erschien zum ersten Mal das Jahrbuch der Ungarndeutschen „Unser Hauskalender 1949“ und ab 1. Januar 1949 das Zweiwochenblatt „Unsere Post“, dem schon seit 1946 monatlich erscheinende Mitteilungen vorausgegangen waren.

In München ging alle kirchliche Betreuung von der „Kirchlichen Hilfsstelle“ aus, die der große Freund der Südostdeutschen, Prälat Albert Büttner, am 6. Oktober 1945 als Zweigstelle der Frankfurter Hilfsstelle errichtet hatte. Die Seele dieser Hilfsstelle war der Augustinerpater P. Dr. Paulus Sladek, OSA, ein Sudetendeutscher, der den Donauschwaben ihren damals noch fehlenden Seelsorger mehr als ersetzte.

Am 29. April 1952 wurde der vor allem aus Mitarbeitern der beiden genannten Zentren bestehende „Arbeitskreis Südostdeutscher Katholiken e.V.“ in München konstituiert. Diesem Arbeitskreis war eine auf die Initiative von P. Paulus Sladek ins Leben gerufene „Interessengemeinschaft Südostdeutscher Katholiken“ vorausgegangen, zu der unter anderen Dr. Ludwig Leber, Dipl. Ing. Wilhelm Kronfuss, Prof. Dr. Ladislaus Weifert, Ignaz Kohler, Jakob Wilhelm und Hans Diplich gehört hatten. Die leitenden Männer im Arbeitskreis Südostdeutscher Katholiken e.V., der als erste donauschwäbische Vereinigung katholische Donauschwaben aus allen drei Herkunftsländern in einer Arbeitsgemeinschaft vereinigte, waren Dr. L. Leber (Ungarn), Prof. H. Diplich (Rumänien) und I. Kohler (Jugoslawien). Neben dem Laienelement waren auch Priester aus allen drei Herkunftsländern beteiligt. Als Geistlicher Beirat des Arbeitskreises fungierte Rektor Hugo Killinger, als hauptamtlicher Laienhelfer Lehrer Georg Tscherny, der sich bald von Matthias Appel ablösen ließ.

Als erster großer Erfolg der neu begonnenen Arbeit war die Studientagung des Arbeitskreises im August 1952 in Königstein/Taunus zu werten. 

Auf Vorschlag von Hans Diplich benannte sich der Arbeitskreis e.V. im Jahre 1955 nach seinem hohen Patron, dem Märtyrerbischof St. Gerhard, in Gerhardswerk e.V. um. Im Jahre 1957 verlegte das Gerhardswerk seinen Sitz nach Stuttgart, womit ein neues Kapitel seiner Tätigkeit begann. Ein Jahr vorher hatte unter dem Namen „Gerhardsbote“ das Mitteilungsblatt des Gerhardswerkes und der Gerhardsjugend zu erscheinen begonnen. Starke Impulse erhielten das Gerhardswerk und seine Arbeit durch das Kommen des Jesuitenpaters Wendelin Gruber, SJ (Ende 1955 aus Jugoslawien) und durch das Eintreffen des Temeswarer Pädagogen und Domkapitulars Prälat Josef Nischbach (im Juni 1959 aus Rumänien) in der Bundesrepublik. Von Anfang an war es das nie aus dem Auge verlorene Ziel des Gerhardswerks, das kirchlich-kulturelle Erbe der alten Heimat nicht nur für die eigenen Landsleute, sondern auch für das ganze deutsche Volk fruchtbar zu machen. Im Dienste dieses Zieles standen und stehen die Studientagungen sowie die verschiedenen Wallfahrten, die von Anfang an das wesentliche Charakteristikum der Vertriebenenseelsorge in Deutschland waren und bis heute geblieben sind. 

Frühere Vorsitzende

Dr. Ludwig Leber (1952-1963), Dr. Valentin Merger (1963-1965), Stefan Kohri (1965-1967), Wilhelm Kronfuss (1967-1978), OStD Matthias Weber (1978-1981), Prof. Nikolaus Engelmann (1981-1985), Dipl. Ing. Franz Wesinger (1985-2000), Dipl. Ing. Hermann Schuster (2000-2007), Dr. Franz Metz (2007-2008), Dipl. Ing. Johannes Weissbarth FamOT (2008-2016), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (2016-2022)